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Eine Ode an die Waterfront


Ab hier jetzt Vorsicht für alle, die es nicht so mit großen Gefühlen und Sentimentalität haben.

Besuch im Eagle's Nest Grabouw

Morgens aus dem Bett, schnell ins Büro und die wichtigsten Mails erledigt, ehe wir uns beim Peregrine Farmstall in Grabouw mit herzlichen und interessierten Kunden trafen, die sich unser Eagles-Nest-Projekt anschauen wollten.

Dort treffen wir uns gerne vorab auf einen Kaffee, um uns kennenzulernen und ein wenig den Hintergrund des Projekts zu erklären, ehe wir zum Kindergarten fahren.

Der Besuch selbst ist für uns emotional, wegen der Kinder und auch wegen des großartigen Teams, das mittlerweile wie Familie ist. Und schließlich natürlich wegen des Baus des Community Centers, in dem unser neuer Garten und der Sportplatz noch in diesem Jahr eröffnet werden. Es gibt viel zu staunen, zu erklären und auch mit den Baufirmen zu besprechen.

Als wir dort zwei Stunden später wieder wegfuhren, waren wir geschafft und geistig ausgelaugt, auch wegen der 30 °C und der strahlenden Sonne.

Schnell nach Hause und wieder ins Büro, bis der Tag gegen 17:30 Uhr scheinbar vorbei war und wir einen Teller Nudeln essen wollten.

Die Waterfront in Kapstadt – ein „Happy Place”

Einer inneren Stimme folgend überredete ich Steffi noch, nach Kapstadt an die Waterfront zu fahren und ein Bier auf der Dachterrasse im Harbor House zu trinken.

Unwillig ließ sie sich überreden und schon ging es los. Vierzig Minuten später stiegen wir aus dem Auto und stürzten uns in den Trubel an der Waterfront.

Doch wir kamen nicht weit. Noch ehe wir das Wasser im Hafenbecken sahen, wurden wir Zeugen eines Spektakels, wie man es nur hier erlebt.

Vor dem Eingang der Waterfront spielte eine Showband afrikanische Rhythmen. Dies wurde zur Nebensache, als ein bunter Haufen junger Menschen spontan einen Flashmob startete und zu tanzen begann.

Erst eine, dann noch eine und dann immer mehr. Rucksäcke flogen sprichwörtlich in die Ecke – und ab ging die Post.

Dieser Moment war zu viel für uns. Diese Ausgeburt an Unbeschwertheit und schierer Lebensfreude überwältigte uns und wir weinten wie kleine Kinder.

Sicher hatte das mit dem Alter und einem Sterbefall in der Familie vor zehn Tagen zu tun und vielleicht auch mit dem Druck, den man mit den Jahren stärker spürt. Aber es war einfach unfassbar schön und authentisch.

Inmitten dieser Menschenmenge waren alle unbeschwert und sorgenfrei – ohne Ansehen von Glauben, Hautfarbe, Nationalität oder sozialem Rang.

Wie sich herausstellte, war es eine Hobby-Tanzgruppe, die mit ihren Lehrerinnen zu einem Wettbewerb in der Stadt war.

Als sie erzählten, wie sie sich freuten, weil viele von ihnen zum ersten Mal geflogen waren, stabilisierte das unsere Gefühlswelt nicht gerade.

Dann ging es auf die Dachterrasse und endlich kam das bestellte Bier. Dabei wurde uns die Strahlkraft dieses Komplexes bewusst, der mehr ist als nur ein Shoppingcenter.

Wir blickten ins Hafenbecken, wo Ausflugsboote von ihrem Abendausflug zurückkehrten und glückliche Menschen von Bord ließen.

Neben Touristen gehen hier jährlich zehntausende Kinder zum ersten Mal auf eine kleine Schiffsreise, und sei es nur durch das Hafenbecken.

Generationen von Schulklassen besuchen hier zum ersten und vielleicht einzigen Mal in ihrem Leben ein Aquarium und erleben die heimische Unterwasserwelt.

Rund 50.000 Menschen starten jährlich vom Nelson Mandela Gateway zu einem Bootstrip nach Robben Island.

Hier erleben alle Kleinkunst auf teilweise höchstem Niveau, beobachten Robben im Hafenbecken und bestaunen beeindruckende Hafeninfrastruktur – bis hin zu Kreuzfahrtschiffen wie der Queen Mary 2.

Mit etwas Glück genießt man im Amphitheater einen Gesangswettbewerb oder ein Konzert – und das kostet keinen Eintritt.

Doch eines haben hier alle gemeinsam: Irgendwann kommt der Hunger. Auch daran wurde gedacht.

Das Angebot reicht vom Food Court bis hin zu schicken Fine-Dining-Restaurants. Hier wird wirklich niemand ausgeschlossen.

Die Waterfront – ein Platz für jeden

Wir fragten uns, ob diese gelebte Inklusion wirklich die Intention der Erfinder der Waterfront war. Wenn ja, dann kennen wir keinen Ort, an dem dieser integrative Gedanke besser umgesetzt wurde.

Wir finden, dieser Platz ist auf seine Art magisch.

Wir zwei am nächtlich beleuchteten Hafenbecken auf der Dachterrasse des Harbor House, vor uns ein Teller Sushi und ein Glas Wein.

Das gehörte zu den schönsten Augenblicken unseres Lebens – und wir sind dankbar dafür.

Erst nach dem Verlassen der Waterfront geht das Leben für alle wieder seinen Gang. Während sich die Touristen zurückziehen, fährt manch anderer zurück ins Township.

Bei allen, denen das jetzt zu viel Rosamunde Pilcher war, entschuldigen wir uns. So sehen Sie einmal, was das Kap aus alten Leuten macht.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne Woche, immer das passende Glas zur Hand und viele schöne Bilder im Kopf.