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Fünf Wendepunkte in der Evolution des Weins


Entgegen der landläufigen Meinung geht die Entwicklung des Weins der Landwirtschaft und der Domestizierung der Weintrauben voraus. Die Entstehung des Weins kann sogar älter sein als unsere Spezies.

Im Laufe der Jahrtausende haben Menschen den Weinbau von einem Zufall zu einer präzisen Kunstform und globalen Industrie entwickelt. Gleichzeitig hat fermentierter Fruchtsaft unsere Religionen, Rituale, Ökonomien und sogar unsere Gene geprägt.

Dieses uralte Getränk ist Gegenstand anthropologischer Forschung. Archäologen entdeckten eine armenische Höhle mit dem ältesten bekannten Weingut der Welt und analysierten Rückstände aus 9.000 Jahre alten Gefäßen in China.

Auch Unterwasserfunde wie griechische Amphoren liefern wichtige Erkenntnisse. Anthropologen untersuchten zudem den Zusammenhang von Wein, Kultur, Politik und Technologie.

Lassen Sie uns diese Entwicklung in fünf zentrale Abschnitte unterteilen.

1. Betrunkene Affen: Die Wurzeln des Weintrinkens

Neue Forschungen verschieben die Ursprünge des Weins immer weiter in die Vergangenheit. Die Hypothese vom „betrunkenen Affen“, entwickelt von Robert Dudley, besagt, dass Primaten seit Millionen Jahren fermentierte Früchte konsumieren.

Drei Gründe sprechen dafür: Fermentierende Früchte sind leichter zu finden, liefern wertvolle Nährstoffe und erzeugen eine leicht entspannende Wirkung.

Der Alkoholgehalt war gering, da stark betrunkene Tiere leichte Beute gewesen wären.

Eine Genmutation vor etwa 10 Millionen Jahren führte zur Entwicklung des Enzyms ADH4. Dieses ermöglicht eine deutlich schnellere Verarbeitung von Ethanol.

So konnten unsere Vorfahren mehr gärende Früchte konsumieren, ohne Schaden zu nehmen.

Da in Subsahara-Afrika keine Trauben wuchsen, entstanden frühe Weine vermutlich aus Früchten wie Feigen oder Marula.

Heute basiert Wein fast ausschließlich auf Trauben, insbesondere auf Vitis vinifera sylvestris.

2. Traubenerwartungen: Wein aus der Steinzeit

Der moderne Wein entstand, nachdem Homo sapiens Eurasien erreichte und erstmals wilde Trauben entdeckte.

Diese Begegnungen fanden vermutlich im heutigen Nahen Osten oder in angrenzenden Regionen statt.

Wie genau der erste Traubenwein entstand, ist unklar. Die paläolithische Hypothese liefert jedoch eine plausible Erklärung.

Frühe Menschen sammelten Trauben in Behältern. Durch Druck platzten einige Früchte und der Saft begann zu gären.

Innerhalb weniger Tage setzte die natürliche Fermentation ein.

Der daraus entstandene Saft war aromatisch und leicht berauschend. Dies führte vermutlich zur bewussten Herstellung von Wein.

Allerdings musste dieser früh konsumiert werden, da Konservierungsmöglichkeiten fehlten.

Direkte Beweise fehlen, doch es gibt Hinweise auf den Übergang von wilden zu domestizierten Trauben.

3. Trinkgeschichte: Von wilden zu domestizierten Reben

Die Domestizierung der Trauben begann während der Jungsteinzeit im transkaukasischen Raum.

Diese Region umfasst heute Georgien, Armenien und Aserbaidschan.

Forscher kombinieren Erkenntnisse aus Archäologie, Genetik und anderen Disziplinen.

Besonders wichtig sind Traubenkerne, deren Form Unterschiede zwischen wilden und kultivierten Arten zeigt.

Auch chemische Rückstände in Keramikgefäßen belegen frühe Weinproduktion.

Für den Weinbau war eine sesshafte Lebensweise entscheidend. Reben benötigen ganzjährige Pflege.

Zudem wurden luftdichte Gefäße entwickelt, um Wein haltbar zu machen.

So verbreitete sich die Weinkultur in Westasien, im Mittelmeerraum und in Nordafrika.

4. Göttlicher Wein: Von Mythos zur Wissenschaft

In vielen Kulturen hatte Wein eine religiöse Bedeutung. In der Bibel pflanzte Noah nach der Sintflut einen Weinberg.

Auch in der griechischen Mythologie spielte Wein eine zentrale Rolle, etwa durch den Gott Dionysos.

Im Christentum wurde Wein zum Symbol des Blutes Christi.

Auch im alten Ägypten bestand eine symbolische Verbindung zwischen Wein und Blut.

Lange galt die Gärung als göttlicher Prozess. Wein wurde als Geschenk der Götter angesehen.

Er hatte nicht nur religiöse, sondern auch medizinische Bedeutung und war oft sicherer als Wasser.

Erst in der wissenschaftlichen Revolution wurde die Gärung chemisch verstanden.

Im 18. und 19. Jahrhundert verbesserte sich die Weinqualität erheblich.

Früher wurden Zusätze wie Harz oder Kräuter verwendet, um Fehler zu überdecken.

Mit besseren Techniken entstanden stabilere und hochwertigere Weine.

Wein entwickelte sich zum Genussmittel und Statussymbol.

5. Neue Welten und die Globalisierung des Weins

Über Handelsrouten verbreitete sich Wein von Westasien über Europa in die ganze Welt.

So entstanden Weinregionen in Amerika, Südafrika, Australien und Neuseeland.

Weine der „Alten Welt“ stehen für Tradition und Terroir.

Weine der „Neuen Welt“ gelten als innovativer und fruchtbetonter.

Ein wichtiger Einschnitt war die Reblausplage im 19. Jahrhundert, die Europas Weinbau stark beschädigte.

Die Lösung bestand darin, europäische Reben auf amerikanische Wurzeln zu pfropfen.

Ein Wendepunkt war das „Urteil von Paris“ 1976, bei dem kalifornische Weine überraschend gewannen.

Dies veränderte die Wahrnehmung von Wein weltweit.

Heute wächst der Weinmarkt weiter, insbesondere in Asien.

Auch neue Regionen wie Skandinavien oder Patagonien gewinnen durch den Klimawandel an Bedeutung.

Wein verbindet uns mit unserer Geschichte. Jeder Schluck ist Teil einer langen kulturellen Entwicklung.

(Übersetzt aus Sapiens, Anthropology Magazine, Christopher Howard)